Beste Brennerin 2018

Die Rhöner Brennerin Franziska Bischof wurde in Berlin prämiert
Veröffentlicht im März 06, 2018, 10:20 pm
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Zum siebten Mal fand am vergangenen Wochenende das Craft Spirits Festival DESTILLE BERLIN statt. An zwei Tagen präsentierten die besten Brennereien und Spirituosenmanufakturen Deutschlands und Europas ihre Produkte in der deutschen Hauptstadt. Mit dabei war auch Franziska Bischof aus dem fränkischen Wartmannsroth. Die Vita der Brennerin und Edelbrandsommelière überzeugte die 20-köpfige Jury: Ihr wurde der Titel „Female Distiller of the Year 2018“ verliehen.

Die Begründung der Fachjury der DESTILLE BERLIN:

„Das Brennrecht erhielt erstmals Urgroßvater Ludwig. Es ging über an den Sohn und eine Generation weiter wieder an den Sohn und … 2015 dann an die Tochter. Franziska Bischof heißt sie, seit drei Jahren führt sie im unterfränkischen Wartmannsroth vollverantwortlich die Brennerei in vierter Generation. Sie absolvierte die Ausbildung zur Edelbrandsommelière an der TU Weihenstephan, die Berufsausbildung als staatlich anerkannte Brennerin hat sie im Mai 2017 an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau mit „Sehr gut“ abgeschlossen. Gleich ihr Erstling war ein Whisky, der „Rebell“. Vielleicht steckt da auch etwas von ihr selbst drin: Sie hat den Familienbetrieb umgekrempelt, nennt sich „Franziska – Die Brennerin“ und hat jüngst die „Destillathek“ eröffnet, ein Quader aus Sichtbeton und mit großen Fenstern, der schon architektonisch zeigt, dass hier ein neuer, diesmal weiblicher Wind weht. – DESTILLE BERLIN verleiht Franziska Bischof den Titel „Female Distiller of the Year 2018“.“

Als diese Laudatio am Samstag Abend durch die Hallen der Heeresbäckerei in Berlin Kreuzberg schallte, konnte es Franziska Bischof zunächst nicht fassen.

„Ich hätte niemals damit gerechnet. Ich bin davon ausgegangen, dass ich mit Abstand die Unbekannteste der drei Nominierten bin und habe mir daher keine großen Hoffnungen auf den Titel gemacht. Aber anscheinend wurde wohl wirklich tiefgründig recherchiert, was man in den vergangenen Jahren alles so angepackt hat.“

Neben Franziska waren Cornelia Bohn, Gründerin der Preussischen Whisky Destillerie und Karina Abad, Brennerin der Mezcal Brennerei ‚Mezcal Los Danzantes‘ in Mexiko nominiert. Die Nominierungen erfolgten unabhängig von einer Teilnahme beim Festival oder Spirituosenwettbewerb.

Während dem Craft Spirits Festival präsentierten sich über 80 Hersteller handwerklich hergestellter Spirituosen aus 13 Ländern: Obstbrände, Gin, Rum, Whisky, Mezcal, Korn, Aquavit, Cognac, Wermut und viele mehr – nur mit natürlichen Zutaten und aus unabhängiger Produktion. Mehr als 600 verschiedene Spirituosen konnten verkostet werden. Ein wichtiger Bestandteil der Messe, der Spirituosenwettbewerb, wurde erstmals um neue Kategorien erweitert, die da lauteten ‚Best young distiller‘, ‚Outstanding innovation‘, ‚Best in tradition/, ‚Farm-to-shaker bar of the year‘, Farm-to-shaker bartender of the year‘ und eben ‚Best female distiller‘.

Die beiden Gründer und Organisatoren Theo Ligthart und Thomas Kochan:

„DESTILLE BERLIN ist mittlerweile Europas wichtigste Messe für ‚handcrafted spirits‘. Bei uns gibt es Spirits mit Geist.“

Ein Preisgeld gab es nicht. ‚Dafür aber viel Anerkennung für meine Arbeit. Die Kleinbrennerei zuhause weiterzuführen war die Wahl meines Herzens und hatte sicherlich keine wirtschaftlichen Hintergründe. Im Gegenteil: es musste erst einmal kräftig investiert werden, damit ich jetzt überhaupt eine Arbeitsgrundlage habe. Vielmehr war es mir wichtig, das Handwerk und Wissen um die Herstellung ehrlich guter Brände in meiner Familie zu erhalten.

Leider gibt es viel zu viele künstlich aromatisierte Spirituosen, die den Verbraucher und seinen Gaumen in die Irre führen. Genau dagegen will ich angehen. Ich will meinen Kunden nicht nur einen Brand verkaufen, sondern Ihnen auch die Möglichkeit bieten, sich schlau zu machen.“ Franziska doziert demnach nicht nur an der IHK Würzburg bei der Sommelierausbildung, sondern bietet auch ganzjährig Führungen, Verkostungen und Workshops für kleine und größere Gruppen in ihrer Brennerei und Destillathek in Wartmannsroth an.

Alle Gewinner

  • Craft distillery of the year: Hausbrennerei Fridolin Baumgartner, Baden Württemberg
  • Best female distiller: Franziska Bischof, Edelbrennerei Bischof, Franken
  • Best young distiller: Theresa Warter, Dachstein Destillerie, Österreich
  • Outstanding innovation: Mikko Mykkänen, The Helsinki Distilling Company, Finnland
  • Best in tradition: Lorenz Humbel, Humbel Spezialitätenbrennerei, Schweiz
  • Farm-to-shaker bar of the year: Becketts Kopf, Berlin
  • Farm-to-shaker barkeeper of the year: Ruben Neideck, Velvet, Berlin

Über Craft Spirits
Handgemachte Spirituosen. Regional verankert. Nachhaltig produziert. Aus natürlichen Zutaten. Unter Craft Spirits versteht man handwerklich produzierte Spirituosen, „craft“ steht kurz für „handcrafted“ – das Gegenstück zu industrieller Fließbandware. Hinter dem Begriff steckt eine ganze Bewegung: Junge Brenner entdecken altes Handwerkswissen wieder und entscheiden sich gegen Massenprodukte. Kleine Unternehmen wagen sich an neue Brände und bieten den Spirituosen-Multis die Stirn. Das Ergebnis sind Craft Spirits: handgefertigt in Kleinproduktion, regional verankert, mit Rücksicht auf die Umwelt produziert, ausschließlich aus natürlichen Zutaten. Spirits mit Geist.