Generationenwechsel in der Destillerie der Appenzeller Alpenbitter AG

Veröffentlicht im September 04, 2018, 9:19 am
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Deutsche Mixologen entdecken die Schweizer Kräuterspirituose, die in ihrem Heimatland der meistverkaufte Likör seiner Kategorie ist, immer mehr für sich und lassen sich zu vielfältigen modernen Drinkkreationen inspirieren. Wegen dieses Aufwärtstrends ist der Prozess des Brennmeisterwechsels im Hause Appenzeller Alpenbitter umso überraschender. In einer Zeit, in der Schnelllebigkeit und anonymisierte industrielle Produktionsprozesse ehrliches Handwerk nach und nach verdrängen, ist die Geschichte von Maurus Borger, dem neuen Brennmeister des 1902 gegründeten Familienunternehmen eine ganz besondere.

Zwei Jahre dauerte die persönliche Einführung durch seinen Vorgänger und war für Maurus Broger der einzige Weg, Brennmeister der Appenzeller Alpenbitter AG zu werden. Das liegt zum einen daran, dass es in der Schweiz keine offizielle Ausbildung zum Destillateur oder Brennmeister gibt und zum anderen daran, dass die Aufgabe mit vielen, teils sehr alten Betriebsgeheimnissen verbunden ist, die von Generation zu Generation der Brennmeister weitergereicht werden und diesen Kreis nicht verlassen.

„Walter Gätzi hat mich sehr sorgfältig und mit viel Gespür und Herzblut in die Herstellung der gebrannten Wasser eingeführt“, sagt der neue Brennmeister und dankt seinem Mentor dafür, dessen Leidenschaft für die Produkte und das Streben nach Perfektion sich vom ersten Tag an auf ihn übertragen haben.

Viel Fingerspitzengefühl und Geduld

Doch selbst dieser exklusive Wissenstransfer hat seine Grenzen, denn selbst der Brennmeister bei Appenzeller Alpenbitter kennt die genaue Rezeptur aus 42 Kräuter, Blüten, Wurzeln und Gewürzen nicht. Sobald die Kräutermischung abgestimmt ist, beginnt sein Teil der Arbeit am Alpenbitter: Maurus Broger vermischt die Kräuter in verschiedenen Kombinationen mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch (Mazeration). Teil des Appenzeller Alpenbitters sind zwei unterschiedliche Mazerate und fünf Destillate – den genauen Vorgang dessen kennt jedoch nur er. Diese Aufgabe verlangt nicht nur viel Fingerspitzengefühl, sondern auch Geduld, denn der Prozess, bis die Kräuter zum Endprodukt verarbeitet werden, dauert rund ein halbes Jahr.

Neues ausprobieren

Die hohe Verantwortung beim Umgang mit der beliebten Schweizer Kräuterspirituose ist dem neuen Brennmeister bewusst und an alt bewährtem will und soll er festhalten. Dies schließt den Freiraum zum Experimentieren jedoch nicht aus. «Beim Tüfteln mit neuen Aromen und Rohstoffen hilft mir das Fachwissen aus früheren Tätigkeiten», sagt der gelernte Koch.

Über Appenzeller Alpenbitter
Appenzeller Alpenbitter wird aus natürlichen Rohstoffen ohne chemische Zusatzstoffe hergestellt. Mit 29 Volumenprozent zählt er zu den Spirituosen und im Speziellen zu den Aperitifs oder Magenbittern. Verwendet werden hochwertige Rohstoffe. Die Wurzeln und Blätter, Blüten und Samen werden sorgfältig gesäubert, entstaubt und getrocknet. Danach werden die Kräuter getrennt trocken und kühl gelagert, damit ihre natürlichen Eigenschaften und Aromastoffe bewahrt werden. Dieser aufwendige Prozess verleiht dem mittlerweile zum Schweizer Kulturgut gewordenen Alpenbitter unverwechselbaren Charakter, Stil und Persönlichkeit.

Appenzeller Alpenbitter wurde 1902 im kleinsten Kanton der Schweiz – dem Appenzell – gegründet und ist bis heute ein Familienbetrieb. Der Kräuterlikör wird aus 42 Kräutern hergestellt. Die genaue Rezeptur ist bis heute ein Familiengeheimnis – lediglich zwei Personen kennen die Zusammensetzung und sind auch heute noch für die Mischung zuständig. Die Appenzeller Alpenbitter AG beschäftigt aktuell rund 35 Mitarbeiter und produziert neben dem Appenzeller Alpenbitter weitere Qualitätsprodukte im Bereich Spirituosen wie Appenzeller Rahmlikör oder Gin 27.